Meinung des Monats

Von Stephan Mathez
Globale Ausbauziele für Erneuerbare Energien statt Ablasshandel für Treibhausgase

Von Dr. Stephan A. Mathez, Wetzikon, 5. Juli 2010

Die steigende CO2-Konzentration in der Atmosphäre ist zweifellos eines der grössten Probleme der Gegenwart und eine Bedrohung für Mensch, Tier und Umwelt. Klimatische Veränderungen haben negative Auswirkungen auf fast alle unsere Lebensbereiche. Wir sind dabei, das Erdenklima auf Jahrtausende hinaus zu verändern.

Konservative Politiker und Wirtschaftsvertreter anerkennen zwar langsam (in der Schweiz sehr langsam) das menschgemachte Klimaproblem. Gemessen an den zu erwartenden, katastrophalen Auswirkungen muss die Strategie der Treibhausgasreduktion aber als gescheitert bezeichnet werden. Dass das Klimageschehen etwas vom Komplexesten ist, was der Mensch je erforscht hat, mag zu diesem Scheitern beigetragen haben.




Dabei wird die Problemlösung in zahlreichen Langzeitstudien von Umweltverbänden, aber auch von Energiekonzernen und Finanzinstituten klar aufgezeigt: Fossile Energien müssen durch Erneuerbare ersetzt werden. Letztere stehen in tausendfachem Überfluss zur Verfügung, sind technisch ausgereift und volkswirtschaftlich profitabel.

Aufgrund dieser Überlegungen fordere ich eine Abkehr von der Strategie der Treibhausgasreduktion, hin zu universellen, für alle Staaten verbindlichen Zuwachszielen für Erneuerbaren Energien:

(1)
Jeder Staat der Erde ist verpflichtet, jährlichen 2 % seines Verbrauchs an nicht-erneuerbaren Energieträgern durch erneuerbare zu ersetzen.

(2)
Wenn das Ziel (1) nicht erreicht wird, ist im darauffolgenden Jahr eine Ersatzabgabe zu entrichten, die den Kosten für die nicht-ersetzte Energiemenge entspricht.

(3)
Die unter (2) erhobenen Ersatzabgaben werden zur Reduktion von Treibhausgasemissionen eingesetzt, welche durch den Substitutionsmechanismus in (1) nicht beeinflussbar sind.


Folgende Überlegungen motivieren diese Forderungen:

  • - Eine gesteigerte Produktion erneuerbarer Energie wird deren Kosten, wie schon in der Vergangenheit, massiv senken. Erst wenn das Preisniveau von fossilen Energien erreicht ist, können diese substantiell verdrängt werden. Das Potential dazu ist grundsätzlich vorhanden, da erneuerbare Energien dezentral verfügbar sind und der Transportaufwand somit deutlich kleiner ist.

  • - Industrieländer mit einem hohen Energieverbrauch müssen entsprechend grosse Mengen an Energie substituieren. Länder mit kleinem Energieverbrauch könnten das Ziel mit geringeren Investitionen erreichen.

  • - Aufsteigende Länder werden in ihrem wirtschaftlichen Wachstum nicht beschränkt, sie müssen aber parallel eine Erneuerbare Energiewirtschaft aufbauen.

  • - Jedes Land entscheidet aufgrund seiner natürlichen Ressourcen selber, welche Technologien es fördern möchte.

  • - In Punkt (3) geht es um nicht-energetische Ursachen für Treibhausgasemissionen, wie z.B. Landgewinn durch Brandrodung. In diesem Bereich soll die bisherigen Treibhausgas-Konzepte angewandt werden.


  • Grundsätzlich geht es darum, sich nicht am Treibhausgas-Problem festzukrallen, sondern auf dessen Lösung hin zu arbeiten.




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